Erinnern an Holland

Denk ich an Holland, sehe ich weite Flüsse
langsam fließen durch grenzenlose Ebenen
Reihen von undenkbar dünnen Pappeln
stehen wie riesige Federn am Horizont
und verloren im unendlichen Raum
Bauernhöfe sprenkeln das Land
Baumgruppen, Dörfer, gekappte Masten
Kirchen und Ulmen in einer großen Einheit
der Himmel hängt tief und die Sonne
verschwindet in einem farbenreichen Dunst
und in allen Landstrichen werden die Stimmen des Wassers
gefürchtet und erhört, künden vom ewigen Unheil.

            Henk Marman

Im Jahr 1936 schrieb der holländische Dichter Marman das Gedicht „Herinnering aan Holland“ (Erinnern an Holland). Fast jeder Niederländer kennt die erste Zeile des Gedichtes, und vielleicht noch die zweite. Das Portrait, das Marman mit seinen Worten zeichnete, ist nicht gerade auf dem neuesten Stand. Viele Dinge haben sich während des 20. Jahrhunderts in der niederländischen Landschaft verändert. Das holländische „Tiefland“ ist nicht mehr grenzenlos. Egal in welche Richtung man schaut, wird man Zeichen der Zivilisation finden. Nichtsdestotrotz sind noch heute einige Worte Marmans bemerkenswert. Neben der Beschreibung der wunderschönen Landschaft, verweist Marman auch auf den ewigen Kampf gegen das Meer. Siebzehn Jahre später im Jahr 1953 toste das Meer wieder.