Bittere Gedanken

"Ja, jetzt ist es schon bald 50 Jahre her und ich schätze mich glücklich, dass ich das nun aufschreiben kann. Als ein Mädchen von sieben Jahren hab ich das alles miterlebt. Unser Dorf Zonnemaire ist trocken gelblieben, aber die Polder und umliegenden Dörfer standen alle unter Wasser.

Mein Vater und mein Bruder, acht Jahre älter als ich, zogen los um zu helfen und unser Haus diente anderen Menschen als erste Anlaufstelle. Danach wurden sie anderswo im Land untergebracht. Das fand ich damals alles sehr spannend, denn der Hubschrauber flog über unserem Haus und landete dann auch auf einem kleinen Platz beinahe direkt vor unserem Haus. Der Helikopter nahm die älteren und kranken Menschen mit. Die übrigen Menschen fuhren in Lieferwagen nach Brouwershaven und wir mussten auch mit. Wir wurden in die Ahoy-Hallen gebracht und von dort aus dann bei einer Familie untergebracht.

Wie viel Glück ich damals hatte, hab ich erst später begriffen. Denn eigentlich war ich am Samstag zu einem Geburtstag bei einer Familie eingeladen gewesen, die weit drinnen im Polder bei Dreischor wohnte. Ich hätte dort auch übernachten sollen. Warum auch immer ich dort nicht hin durfte von meinen Eltern aus, weiß ich nicht mehr. Aber leider ist die ganze Familie ertrunken. Das ist ein bitterer Gedanke, aber ich hatte Glück."

Glück.
Es ist nicht greifbar,
Glück musst Du hegen,
Denn es ist sehr zerbrechlich.

Jannie Weststrate

Kattendijke
©PZC 07-01-03