Das Wetter lässt an die Katastrophennacht 1953 denken

Von Rinus Antonisse

RITTHEM – Wahrscheinlich ist es Zufall aber die Wetterlage, die sich dieser Tage in Zeeland offenbart, erinnert mich stark an die Tage rund dem 1. Februar 1953. Ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem Atlantischen Ozean und ein Tief, das von Island Richtung Dänemark zieht. Dabei weht über der Nordsee ein stürmischer, Nord-Nordwestlicher Wind.

‚Am Donnerstag war es auf der Doggerbank noch gerade so Windstärke neun’, erzählt Meteorologe Jos Broeke von Meteo Zeeland. ‚In Zeeland selbst haben wir vor der Küste schon seit einigen Tagen sieben bis acht aus Nord-Nordwest. Das ist hart und sturmartig. Das Hochdruckgebiet über dem Ozean ist sogar stärker als das 1953, nur liegt es etwas weiter im Westen.’ Broeke merkt an, dass morgen Neumond sein wird und das bedeutet immer höhere Wasserstände. Zwei Tage nach Neumond tritt auch Springflut auf. Das war in der Katastrophennacht vor 50 Jahren auch so, allerdings war es Glück im Unglück, dass sie sich auf eine so genannte niedrige Springflut beschränkte.
Wasserstände

Der Zeeuw’sche Meteorologe erwartet dieses Mal morgen keine abnormal hohen Wasserpegel weil der Wind sich in eine süd-südwestliche Richtung dreht. Heute ist in Vlissingen um 13:27 Uhr Höchststand. Die normale astronomische Gezeit liegt 1,96 m NAP (Normaler Amsterdamer Pegel) (1953 1,98 m) und die Wasserstandserwartung liegt bei 2,23 Metern. Da der Wind dann noch nicht aus dem nordwestlichen Eck weggedreht sein wird, geht Broeke davon aus, dass es durch den Wind etwa einen halben Meter höher sein wird. So bliebe der Stand bei Vlissingen noch immer weit unter der Gefahrenmarke von 3,10 NAP (Normaler Amsterdamer Pegel). Am 1. Februar ist um 14:15 in Vlissingen Höchststand mit einer vorhergesagten Marke von 2,36 Metern. ‚Es wird keine ernstzunehmende Abweichung auftreten.’, sagt Broeke. Am 1. Februar 1953 erreichte das Wasser in Vlissingen 4,55 Meter.

Er ist betrübt über das Wetter am Gedenktag. ‚Es kann schon echt schreckliches Wetter werden. Ein Schub sachtere Luft wird kommen. Im Laufe des Morgens kann Schnee fallen, übergehend in Regen.’ Broeke zufolge. Aber die Chance auf Eisregen bleibt. ‚Es könnte gut noch zu Eisregen kommen, weil erst morgen am Ende des Mittags die Temperaturen rund 2° C über Null sein werden.’
Schneefall

Nicht nur die Wetterkarte ruft Erinnerungen an 1953 wach, sondern auch die Wetterumstände selbst. Auch damals war Sprache von Schneefall, so wie sich das gestern hervortat. ‚Kalte Luft in den höheren Luftschichten – auf fünf Kilometern Höhe ist es minus 40 Grad – strömt über das ziemlich warme Nordseewasser. In der Mitte ist es dort noch plus sieben Grad warm. Das ist ein dermaßen großer Unterschied, dass als Folge Unwetter und Schnee entstehen.’, erklärt Jos Broeke.

Obgleich beim Gewitter nur ein oder mehrere Blitze auftreten, ist es schon gefährlicher als ein Sommergewitter, konstatiert der Meteorologe. ‚Die Wolken hängen im Winter tiefer. Und bei einer niedrigeren Temperatur ist alles stärker elektrisch aufgeladen. Die Einschläge sind heftig. Wir nennen das Polar-niedrig. Im Januar 1979 schlug in so einer Situation der Blitz in den Euromast in Rotterdam. Den hat es bei dem Gewitter am letzten Dienstag auch wieder viermal erwischt.’
©PZC 31-01-03