Der Bau

Neue Ideen und Techniken

Afsluitdeich in Richtung Wieringen fotografiert
Afsluitdeich
Da noch nie zuvor ein Damm wie der Abschlussdeich gebaut worden war, konnte man sich nicht auf bereits gemachte Erfahrungen stützen. Der Bau des Abschlussdeichs ging dann auch Hand in Hand mit neuen Ideen und Techniken. Kurz nach Beginn des Dammbaus in Amsteldiep im Jahr 1920 hatte der Geologische Reichsdienst einen Einfall: Kiesellehm. Kiesellehm ist ein hartes und zähes Material, das während der letzten Eiszeit aus Skandinavien herangeführt worden war. Durch Steine eines Durchmessers von mehreren Dezimetern bleibt Kiesellehm auch bei größeren Strömungsgeschwindigkeiten an seinem vorgesehenen Platz und sollte daher für die Zuiderwerke sehr geeignet sein. Der Kiesellehm wurde mit Hilfe von Baggermühlen vom Meeresgrund geholt – zu dieser Zeit eine neue Technik.

Die Vorbereitungen

Der erste Teil der Zuiderzeearbeiten war einen Kiesellehmdamm am Amsteldiep von 2,5km Länge zu errichten. Auf diese Weise wurde die Insel Wieringen mit dem Festland verbunden. Ein Ringdeich wurde um das Wieringermeer angelegt und mit Schöpfwerken wurde der Polder bei Den Oever und Medemblik ausgepumpt. 1930 war der Polder trocken gelegt.

Inzwischen hatte man 1927 mit dem Bau des Abschlussdeichs begonnen. Um den Boden der beiden zukünftigen Schleustore zu verstärken wurden Matten aus Reisigholz und Beton benutzt. Der Deich wurde dann mit Kiesellehm, Sand und Steinen weiter aufgebaut. Im März 1931 erlitten die Baumeister einen harten Rückschlag: Taucher hatten entdeckt, dass das Reisig an den Sinkstücken an vielen Stellen von Paalwürmern befallen war (einem Tierchen, das Holz von innen aushöhlt). Außerdem stellte sich heraus, dass der verzinkte Stahldraht, der die Sinkstücke beieinander halten sollte vom Meerwasser stark angegriffen wurde. Um zu verhindern, dass der gesamte Damm weggespült wurde, musste schnellstens ein neues Material besorgt werden. Die Wahl fiel auf Baryt, eine Sorte Stein, die aus Deutschland geliefert werden musste. Durch die Verwendung von Baryt konnte im letzten Moment verhindert werden, dass der Damm weggespült wurde.