Der Betrieb

Beim ersten Blick ist es nicht zu glauben, das ein so fragil aussehendes Wehr zu so einer Leistung ähig ist. Das Maeslantwehr ist beinah so lang wie der Eiffelturm in Paris und wiegt sogar viermal soviel. Zudem ist es das einzige bewegliche Wehr mit solchen Ausmaßen. Die im Wasser liegenden Tore sind nämlich 240 m lang. Unter normalen Bedingungen stehen die Tore komplett geöffnet, sodass die Schifffahrt zum Rotterdammer Hafen Zugang hat. Die Tore sind in Docks von 210 m Länge an den Ufern aufgebahrt.

Bei Sturmflut laufen die Docks voll mit Wasser und die hohlen Tore beginnen zu treiben. Sie werden mit Hilfe eines kleinen Zugs ins Wasser gelassen. Das dauert etwa eine halbe Stunde. Sobald die Tore in der Mitte des Flusses angekommen sind, werden sie geflutet, bis sie mit Wasser voll gelaufen sind. Durch ihr Gewicht sacken die Tore auf den Boden, wo sich eine Schwelle aus Beton befindet. Auf der Schwelle sammelt sich eine Menge Schlick an. Um den Wasserweg sorgfältig zu schließen, müssen die Arme präzise auf der Schwelle ankommen. Daher sacken die Tore auch nicht direkt auf die Schwelle, sondern bleiben ein Stückchen über ihnen hängen. Die Strömung in diesem kleinen verbliebenen Zwischenraum ist so groß, dass der Schlick weggespült wird. Nach ungefähr einer Stunde liegen die Tore auf der vom Schlick gesäuberten Schwelle. Der Wasserpegel  an der Meerseite ist dann höher als an der Flussseite. Die Kraft die während eines Sturms gegen die wehrende Wand einwirkt, beträgt 350 Meganewton: das ist soviel, wie die Kraft von 350.000 starker Männer, von denen jeder 100 kg hochhebt. Der Druckunterschied ist so groß, dass ein Schiff mit vergleichbaren Maßen, sofort kentern würde. Die Form des Wehrs sorgt dafür, dass nichts passieren kann. Durch ausgiebige Tests wurde die optimale Form für die Wehrwände berechnet.