Der Damm inklusive Schleuse vom Hellegatsplein nach Nord-Brabant


Animation: Schleuse
Da der Caissondamm in eine Rinne gelegt wurde, in der dichter Schifffahrtsverkehr zwischen Rotterdamm und Antwerpen herrschte, wurde ein Schleusenkomplex errichtet. Hierdurch sollte die Schifffahrt keine Beeinträchtigungen erfahren, durch das Platzieren der Caissons. Die Schleusen wurden in einem Außenpolder gebaut, in der Nähe des Festungsstädtchens Wilemstad. Das Baudock in dem die Arbeiten von statten gingen, war ungefähr 350 m breit und 850 m lang. Die Baustelle sollte unter anderem die folgenden Elemente beinhalten:

  1. Eine Arbeits- und Lagerfläche, die außerhalb des Ringdeichs der Baustelle liegen sollte.
  2. Eine Zugangsrinne, die den Arbeitsplatz mit dem Hollandsch Diep verbindet. Diese Zugangsrinne, sollte bei späteren Arbeiten verbreitert werden und dann zum nördlichen Vorhafen ausgebaut werden. Die Arbeiten wurden Ende 1968 begonnen und im Frühling 1969 beendet.
  3. Eine Straßenanbindung zur Baustelle, die für Schwertransport zugänglich war.
  4. Die Zufahrten zur Brücke, die den Verkehr in der Zukunft über die Schleusen leiten sollten.

Das Platzieren der Caissons

Schließung des Volkerakdamms. Ingenieur. Swier, Bauchef des Volkerakdamms gibt Instruktionen via Walki-Talki durch.
Video: Beeindruckende Schließung des Volkerakdamms
Das Loch was übrig blieb nach dem Bau der Schleusen, sollte mit 14 Caissons abgedichtet werden. Das Platzieren dieser, lief nach einem festen Muster ab. Die Caissons trieben durch das Wasser, indem man das Wasser, was sich in ihnen befand, herauspumpte. Anschließend wurden die Caissons zu einem anderen Orte dicht an der Schwelle übergebracht, an der sie versenkt werden sollten. Zum Zeitpunkt, an dem die Strömung am geringsten war, wurden die Caissons gegen die Strömung zum vorbestimmten Platz über der Schwelle transportiert. Die Caissons mussten allerdings noch ineinander ‚geklickt’ werden. Dazu wurde ein Caisson schräg eingefahren und anschließend kurz vor dem Drehen der Gezeiten gerade gestellt. Beim Kentern, ließ man die Caissons mit Wasser vollaufen, wodurch diese zu sinken begannen und auf der Schwelle zu Recht kamen. Durch Ballast auf die Caissons abzulassen, die mit Sand gefüllt wurden und an beide Seiten Geröll zu versenken, blieben diese felsenfest auf ihrer Position.

Sturm und Strömung

Strömungsbild der geöffneten Durchlasscaissons
Strömungsbild
Beim Bau diesen Teils des Damms musste man vor allem mit dem Einfluss der Natur rechnen. Sowohl die Strömung des Wassers, als auch die Kraft des Windes durfte man nicht unterschätzen. Auch die Jahreszeit, in der gearbeitet wurde, konnte von großem Einfluss sein auf den Erfolg des Projekts. Die Caissons sollten zwischen dem 8. und 25. April platziert werden, da diese Periode am geringsten durch Stürme betroffen war. Außerdem war die Abflussmenge von Maas und Waal im April viel kleiner als im März. Hätte man bis zum Sommer gewartet, wäre die Chance groß gewesen, dass der Damm nicht vor dem Herbst fertig gewesen wäre. Die wühlende See durfte keine Möglichkeit kriegen, um den Ingenieuren in die Suppe zu spucken. Um zu verhindern, dass der Boden unter dem Damm weggespült werden konnte. Wurde ebenfalls wie beim Veerse Gatdamm eine Schwelle gebaut auf der die Caissons zur Ruhe kamen. Daneben wurde der Boden abgedeckt, um auf längere Zeit zu vermeiden, dass zu viel Sand weggespült werden kann. Ohne Schwelle wären die Caissons weggesackt. Vom Veersen Gatdamm hatte man schon früher gelernt, dass man die Caissons so schnell wie möglich nacheinander platzieren musste. Je kleiner das noch verbliebene Loch, welches noch zu stopfen war, desto härter war die Strömung und der entstehende Schaden an der Schwelle. Die Schwelle war im Laboratorium für Wasserbaukunde ausgiebig getestet worden.

Daten

Das letzte Platzieren wurde für den 25. April geplant und sollte bei Nipptide geschehen. Nipptide kommt zweimal im Monat vor, wenn der Unterschied zwischen Flut und Ebbe am kleinsten ist. Bei Springflut stehen Sonne und Mond in einer Linie zueinander im Bezug zur Erde. Bei Nipptide stehen diese jedoch in einem 90 Grad Winkel. Dadurch ist ihr gemeinsamer Einfluss auf die Gezeiten am geringsten. Für das gesamte Vorhaben waren 20 Tage eingeplant. Diese zwanzig Tage wurden in 16 Versenktage und 4 Reservetage aufgeteilt. Die vier Extra Tage hätten zum Einsatz kommen können, wenn einige der Caissons nicht in einem Zuge versenkt werden konnten. Da der 5. April auf Ostern fiel, wurde erst am 8. April mit dem Platzieren begonnen. Am 26. und 27. April wurden deswegen als Reservetage eingeplant. Außer auf die Tage, musste man sich auch nach den Zeiten richten. Eine Stunde vor Sonnenaufgang musste nämlich der erste Caisson platziert sein, da die Arbeiten sonst nicht fertig gestellt werden konnten bevor es dunkel war. Am 25. April um elf Uhr 27 landete der erste Caisson auf der Schwelle. Dies war früher als erwartet, da mehrere Tage lang nicht ausgefahren werden konnte. Die Flotte von 7 Schleppern mit einer insgesamten Schleppkraft von 7.100 PS (mehr als 5,2 Millionen Watt), konnte sich manchmal nicht gegen die Naturgewalten durchsetzen. Eine Maschine lieferte dabei 1 PS wenn es eine Sekunde lang ein Gewicht von 75 kg einen Meter hoch anhebt.

Das Fahrschema

Platzieren des ersten Durchlasscaissons
Durchlasscaisson
Beim Versenken der Caissons war eine Anzahl von Zeitpunkten von großer Bedeutung. Der erste Moment war die Abfahrt aus dem Baudock nach dem Aufbau des Unterstroms, in Erwartung des Transportes zur Schwelle. Der zweite Moment war das Verlassen aus dem ‚Parkplatz’ zum schließenden Loch selber. Der dritte Moment war das verkeilen des Caisson. Der letzte wichtige Moment war das Öffnen des Verschlusses, sodass der Caisson zu sinken begann. Der Moment bei dem der Caisson präzise versenkt werden musste, war nicht bekannt, da dies mit der Strömung zusammenhing.

Die folgenden Zeiten waren sehr wohl bekannt:

  1. Es dauerte zwanzig Minuten um vom Baudock mit dem Caisson zum Parkplatz mitten in der Rinne zu fahren. 
  2. Danach dauerte es nochmals zwanzig Minuten, bevor der Caisson über die Schwelle manövriert war. 
  3. Dann dauerte das Verkeilen und Drehen des Caissons nochmals fünfzig Minuten.
  4. Wenn der Caisson erstmal auf seinem Platze lag, dauerte es noch weitere sechs Minuten bevor der Caisson versenkt war.

Ein Caisson musste also zwei Stunden bevor er platziert wurde, aus dem Baudock verschifft werden. Das Umschlagen der Gezeiten, die man für das Platzieren benötigte, sollte jeweils zwei Stunden nach dem Hochwasser eintreten. Es ergab sich dann das Risiko, das der Caisson sich in der Rinne des Docks auflaufen konnte. Darum ließ man die Caissons schon eine Stunde vor dem Hochwasser aus dem Baudock befördern. Diese eine Stunde verbrachte der Caisson länger auf dem Parkplatz. Nachdem ein paar übrig gebliebene Löcher mit Geröll zugekippt waren, wurden am 28. April um 9 Uhr 15 die 192 Tore der zwölf Durchfluss-Caissons geschlossen. Der Volkerakdam war damit dicht. Eine andere lästige Arbeit stand damit auf dem Programm: Es musste gegen 5,6 Millionen Quadratmeter musste Sand angesprüht werden. Die erste Million Quadratmeter war schon nach 3 Wochen dicht gesprüht, durch den Einsatz 3 enormer Sandsauger: die Queen of Holland, die Concorde und die Versde.