Die Schiffe

Zu Wasser lassen der Ostrea bei RDM in Rotterdam
Zu Wasser Lassen
Das Wehr hatte einen revolutionären Entwurf. Viele der verwandten Techniken, war noch nie früher eingesetzt worden. Auch waren es einige von diesen, so waren sie sicherlich noch nie in einem Projekt solchen Umfangs eingesetzt worden. Es gab einfach keine Schiffe, die konstruiert waren dieses Sturmflutwehr zu bauen. Für den Bau des Damms wurden eine Anzahl Schiffe entworfen, die alle Glanzleistungen der Ingenieurskunst waren. Sie besaßen alle das Prädikat „State-of-the-Art“. Auf den meisten Schiffen befand sich ein Orientierungssystem höchster Präzision, das automatisch die Schiffsposition berechnete. Auch die Peiltechnik zur Positionsbestimmung war komplett neu. Neue Techniken mit denen man die Oberfläche und Struktur des Bodens erkennen konnte, wurden eingesetzt. Apparate wie z.B. Gyroskope und Beschleunigungsmesser waren nicht zu ersetzen. Um all die Datenmengen zu verarbeiten bedurfte es dann auch noch der Rechenleistung großer Computer.

Schiff Mytilus (Muschel)

Mytilus
Mytilus
Das Schiff sorgt dafür, dass der Oosterschelde Boden in der Länge des Trajekts, an der das Wehr gebaut werden sollte, verdichtet wurde. Beim Verdichten des Bodens wird der Zwischenraum zwischen den Sandkörnern verkleinert, wodurch der Boden an Stabilität gewinnt. Ohne die verrichteten Arbeiten der Mytilus, wäre der Boden also viel instabiler gewesen und damit auch das Wehr. Das Verdichten vollzog sich komplett unter Wasser und wurde Tag und Nacht 24 Stunden lang durchgeführt. Das Schiff selbst besteht aus fünf Pontons: Einem Hauptponton von 18,9 Metern Länge und vier Hilfspontons mit einer Gesamtlänge von 32,9 Metern. Auf dem Schiff stehen Hebekräne mit einer Höhe von 55 Metern. Die anliegenden Zugwinde hatten eine Zugkraft von maximal 120 Tonnen. Vibrationsnadeln mit einem Durchschnitt von 2,1 Metern und einer Länge von 18 Metern wurden in den Boden gebohrt. Der Motor des Schiffs erzeugt Vibrationen, der an die Nadeln weitergegeben wird. Die Nadeln wiederum tragen diese Vibrationen (mit einer Frequenz zwischen 25 und 30 Hz und einer Amplitude von 4 bis 5 mm) über den Boden. 

Schiff Cardium (Herzmuschel)

Mit Schleppern wird die Cardium zum Ort der zur platzierenden Matratze gebracht.
Cardium
Obwohl die Ostrea das beeindruckendste Schiff der Flotte war, war Cardium das Teuerste. Niemand hatte damit gerechnet, dass dieses Schiff soviel kosten sollte. Die tatsächlichen Kosten lagen 80% über den erwarteten Kosten. Für diesen Preis führte die Cardium ganz besondere Arbeiten aus: das Verlegen der Matten. Die Matten, die die Cardium auf dem Meeresboden auslegte waren 36 cm dick, 42 Meter breit und 200 Meter lang. Die Kunststoffmatten wurden in einer Fabrik mit Sand und Kies gefüllt. Anschließend transportierte die Cardium die Matten auf einem enormen Zylinder, der an der Cardium befestigt war. Die Matten wurden mit einer Geschwindigkeit von 10 Metern pro Stunde auf dem Meeresboden gelegt. An den Stellen an denen die Pfeiler stehen sollten, wurde eine extra Matte ausgelegt. Dies war für den Fall des Verschleißes ausgelegt, der Auftreten könnte, wenn die Tore geöffnet und geschlossen werden.

Schiff Ostrea (Auster)

Die Ostrea legt an aus Vogelperspektive.
Ostrea
Die Ostrea war das Flaggschiff der Delta Flotte. Mit einer Länge von 87 Metern, der charakteristischen U-Form und den 8000 PS, war es das beeindruckendste Schiff von allen. Das Schiff zog die Pfeiler aus der Baugrube und transportierte sie zum Wehr. Mit der offenen Seite des “U’s” manövrierte das Schiff um einen Pfeiler herum. Durch vier Schrauben konnte es recht einfach steuern. Auf beiden Seiten standen zwei Portale von 50 Metern Höhe. An diese Portale wurden die Pfeiler befestigt. Die Portale konnten allerdings nicht mehr als 10.000 Tonnen tragen, während die Pfeiler selbst 18.000 Tonnen wogen. Wie bekam die Ostrea die Pfeiler also aus der Baugrube und transportierte sie zum Wehr? Die Winden mussten die Pfeiler zum Glück nicht komplett aus dem Wasser ziehen. Sie sollten vor allem vermeiden das sie in Bodenkontakt kämen. Durch den nach oben gerichteten Druck des Wassers, mussten die Winden viel weniger ziehen als das gesamte Gewicht der Pfeiler.

Schiff Macoma (Rote Bohne)

Die Macoma aus der Luft betrachtet.
Macoma
Dieser Ponton, der nach einer Muschel benannt ist, lag genau vor Ort und Stelle wo der Pfeiler platziert werden sollte. Nachdem die Ostrea einen Pfeiler losgemacht hatte, machte es gegen die Macoma fest. Um der Ostrea einigermaßen Stabilität zu verleihen, hatte der Ponton einen Kupplungsmechanismus von 600 Tonnen Kupplungskraft. Die Macoma hatte auch noch eine zweite Funktion. Ein enormer Staubsauger musste dafür sorgen, dass zwischen dem Pfeiler und dem Boden kein Sand lag. Da Ebbe und Flut eine große Menge an Sand verschieben, war dies eine besonders schwierige Aufgabe.

Schiff Wijker Rib (Fisch)

Dieses Inspektionfahrzeug war ursprünglich ein Geröllkipper. Beim Bau der Oosterschelde Wehr hatte de Wijker Rib einen multifunktionellen Charakter. Sie begleitete unter anderem das kleine Inspektionsschiff Portunus. Dieses Fahrzeug hatte die Größe eines kleinen Transporters und konnte mit seinen Ketten über den Meeresboden fahren. Mit einer Nabelschnur wurden die Daten dann an das Mutterschiff durchgegeben. In de Wijker Rib wurden die Daten danach kontrolliert, bearbeitet und ausgewertet.

Andere Schiffe

Jan Heymans aus der Luft.
Jan Heymans
Es gab noch vielmehr Schiffe, die an dem Bau beteiligt waren. De Johan V. war ein spezial entworfenes Aufklärungsboot, das mit einem Bohrer und einer Taucherglocke ausgerüstet war. Ein anderes Schiff, de Jan Heijmans, half Cardium beim Platzieren der Matratzen. Darüberhinaus war das Schiff verantwortlich für das Auffüllen der Lücken mit Kies zwischen den Matratzen. Die Macoma half bei dem Legen der Ballastmatten zusammen mit der Sepia und der Donax 1. Zusammen machten sie die Matten am Boden fest.