Dordrecht

Dordrecht, mit einer Einwohnerzahl von 130.000, liegt in der niederländischen Provinz Süd-Holland. Weil der Ort bereits im Jahr 1220 Stadtrecht erhielt, ist es damit wohl die älteste Stadt Hollands (nicht der Niederlande). Dordrecht ist eine Insel, umgeben von vier Flüssen. Dank der Fähren, die sie mit Zwijndrecht, Papendrecht und Sliedrecht verbinden sowie der „Wasserbusse“ zwischen Rotterdam und Gorinchem ist Dordrecht nicht so isoliert, wie es die Bezeichnung „Insel“ vielleicht vermuten lässt.

Geschichte

Der Name Dordrecht kommt von „Thuredrech“, was wörtlich „durch den Fluss“ heißt. Dordrecht war ursprünglich nicht mehr als ein Fluss, der 1150 durch eine Flut entstand und als Korridor zwischen den benachbarten Dörfern von den Torfstechern genutzt wurde. Wegen des Wegzolls, der auf passierende Schiffe erhoben wurde, begann Dordrecht in der zweiten Hälfte des 12. Jh. aufzublühen. Ein Jahrhundert später wurde vereinbart, dass alle auf den Flüssen Lek und Merwede verschifften Güter zum Dordrechtmarkt gebracht werden mussten. Als Resultat wurde die Stadt ein wichtiges Handelszentrum. Dieses Privileg wurde später noch ausgeweitet auf die Flüsse Maas, Rhein, Waal und die Hollandse Ijssel, so dass alle Waren, die auf diesen Gewässern verschifft wurden, zuerst in Dordrecht zum Verkauf angeboten werden mussten. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Stadt ihre Blütezeit im 14. Jh. hatte. Im Jahre 1421 spülte die Saint-Elisabeth-Flut, hervorgerufen durch Salz- und Torfabgrabungen, Dutzende Dörfer weg und ertränkte Tausende von Menschen. Aber gleichzeitig schuf die Flut ein wunderschönes Naturgebiet, den Biesbosch. Dank Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verlor die Stadt ihr Monopol und verlor so seine Führungsposition an Rotterdam im Laufe der nächsten hundert Jahre.

Dordrecht war auch das Zentrum des Calvinismus. Zwischen 1618 und 1619 fand hier ein bedeutendes religiöses Treffen statt, bekannt als die „Synode von Dordrecht“. Dies führte zur Veröffentlichung der Statenbijbel, der ersten niederländischen Bibelübersetzung und die Basis der modernen niederländischen Sprache.

Stadtbild

Eine charakteristische Eigenschaft von Dordrecht ist der Groothoofd, der einst der befestigte Hafen der Stadt war. Er lag im Norden an der Mündung der drei Flüsse Maas, Noord und Merwede. Der Groothoofd-Hafen, gebaut im 15. Jh., war der Haupteingang zur Stadt und kann noch heute besichtigt werden. Die gotische Grote Kerk (Große Kirche) hat eine umfangreiche Geschichte: der Turm datiert zurück ins 12. Jh., während die Kirche nicht bis zum Ende des 14. Jh. fertiggestellt wurde. Die Stadthalle war ursprünglich ein Stoffmarkt, errichtet von flämischen Händlern im 14. Jh. Sie diente erst seit dem 16. Jh. als Stadthalle. Im Jahr 1572 fand ein sehr wichtiges Ereignis, der Hof, statt. Repräsentanten aus jeder Stadt in Holland versammelten sich, um ihre Unabhängigkeit von Spanien zu erklären und ernannten Willem, Prinz von Oranien, zu ihrem Führer des niederländischen Staates. Drei Jahre später wurde die Verfassung beschlossen, was als die Geburtsstunde des unabhängigen Staates der Niederlande betrachtet werden.