Funkamateure lassen das "Notnetz” wieder aufleben

Von Edith Ramakers

VLISSINGEN – "Wie ich heiße? Papa Delta 4 Alpha Victor Oscar, abgekürzt PD4VS.” Hinter dem Code, oder auch persönlichen Rufnamen verbirgt sich Michel Bleijenberg aus Vlissingen. Er ist Funkamateur und nimmt an diesem Wochenende seine Arbeit, zusammen mit gut hundert Amateuren ein Notnetz, wie es auch während der Flutkatastrophe 1953 auf Sendung war, aufzustellen sehr ernst.

"An zwölf Orten in Zeeland, Süd-Holland und West-Brabant probieren Funkamateure mit einander auf der Frequenz 3.700 Megaherz im AM-Modus zu kommunizieren. "Die Frequenz, die während der Flutkatastrophe auch benutzt wurde." ‚Und als das Telefon schwieg’, lautet es in einem Artikel der Notzeitung der PZC vom Dienstag, den 3. Februar 1953, ‚gab es die Radio-Amateure. Durch sie erfuhr das Land mehr vom Ernst der Lage und der Katastrophe’, dessen sind sich auch die Funkamateure gewiss.
Einige haben sich am Samstag im Trainingszentrum der regionalen städtischen Feuerwehr Vlissingen-Middleburg niedergelassen. Die Antenne steht stabil verankert hoch droben auf dem Dach. "Wo waren die Deiche gebrochen, wie hoch stand das Wasser? An diese Informationen kamen die Regierung und allerlei Hilfsorganisationen durch unsere Kollegen. Wir widmen diese zwölf Notstationen ihnen.", erklärt Rolf van Heuven aus Staereling.

Papa India

Der Funkamateur redet und lauscht zwischendrin, ob bei ihm, Papa India 53ZWN noch etwas reinkommt. "Ich erkenne die Stimme von Piet aus Biggekerke. Er ist PI53VLI. Vlissingen steht in einem Bunker in Biggekerke. Er kommt laut und deutlich rüber, würde ich sagen. Er wohl. Sie haben dort eine besonders gute Verbindung gelegt." Die Koordination des Notnetzes wird von Den Haag aus geregelt. Dort ist die Haupstation. ‚Der Funkamateur, der 1953 Radiokontakt mit dem Katastrophengebiet hatte sitzt heute in Den Haag wieder hinter dem Radio. Er ist inzwischen 85 Jahre alt.’, sagt Bleijenberg. Alle elf Stationen erwarten einen Anruf aus Den Haag. Gelingt das und die Codes sind notiert, dann steht die Verbindung und das Frage-Antwort-Spiel kann beginnen. Van Heuven aus Staereling: ‚Aber es wird nicht klappen. Die Frequenz 3.700 benutzen wir oft nicht mehr.’

Nach einer dreiviertel Stunde sind vier Schwesterstationen mit Den Haag verbunden: Biggekerke, Terneuzen, Zierikzee und Wissenkerke. Im Feuerwehrübungszentrum in Vlissingen wartet man ab. ‚Da wird viel durcheinander geschwätzt.’, sagt Van Heuven aus Staereling. Außerdem ist ein Rauschen in der Leitung. Manchmal klingen manche Worte wie in Zeitlupe. Die geübten Funkamateure hören mehr als die Nicht-Eingeweihten. "Roger, Roger", reagiert Van Heuven aus Staereling.

Heutzutage ist kaum noch vorstellbar, dass die Funkamateure es waren, die die Außenwelt 1953 über das Elend informierten. Sollte sich nun eine Katastrophe wie 1953 ereignen, dann würden im Nu Bild und Ton via modernster Kommunikationsmedien um die Welt gehen. 'Aber wir sind noch immer wichtig.', merkt Bleijenberg an. ‚Wir können überall unsere Stationen aufstellen. Auch in Kriegsgebieten. Hinzu kommt, dass es ein schönes Hobby ist.’

©PZC 03-02-2003