Klimatische Bedingungen

Abgesehen vom schlechten Zustand vieler Deiche im Deltagebiet (s.a. Situation vor der Flutkatastrophe) wurde die Flutkatastrophe vor allem durch unglückliche klimatische Umstände ausgelöst.

Am 30. Januar entsteht südlich von Island ein Tiefdruckgebiet. Dieses Tief nimmt immer mehr zu und zieht Richtung Schottland. Um 1 Uhr nachts hat sich hinter dem Tiefdruckgebiet ein großes Sturmgebiet gebildet. Dieser Nord-West-Sturm treibt das Tief, das sich ursprünglich Richtung Osten bewegte in südöstliche Richtung. Nach kurzer Zeit nimmt der Sturm die ganze Nordsee ein.

Bei Schottland wird der Sturm immer heftiger und am Mittag des 31. Januars entsteht dort an der Nord- und Ostküste sogar ein richtiger Orkan. Der Orkan zieht in Richtung der Niederlande, wo zu diesem Zeitpunkt gerade Flut ist. Die Flut wird durch den Orkan verstärkt und an einigen Orten strömt in den Niederlanden das Wasser über die Deiche.


Bron KNMI

Über Dänemark und die deutschen Buchten kommt der Sturm immer näher an die Niederlande heran. Am Abend des 31. Januars wird der Sturm oberhalb der Nordsee immer heftiger und erreicht Windstärke 11. An der niederländischen Küste ist es Windstärke 10. Der Sturm wird nicht schwächer und im Südwesten der Niederlande wird 20 Stunden lang Windstärke 9 gemessen. Durch die Kraft des Sturmes staut sich das Wasser sehr hoch auf, so dass es nicht genügend abfließen kann. Es gibt dann auch keine Ebbe.

Deiche, die gerade noch gehalten haben. Deutlich zu erkennen ist die Unterspülung bis zum Deichkern.
Deichunterspülung
Kurz nach Mitternacht wird der maximale Wasserstand des aufgewühlten Meers gemessen: der Wind staut das Wasser 3,10 Meter hoch. Drei Stunden später gibt es eine Springflut. Durch das Zusammenspiel der Springflut und des hoch aufgewirbelten Wassers, wird um 03:24 Uhr der höchste Wasserstand erreicht: 4,55 Meter über NAP (Normaler Amsterdamer Pegel).

Die Deiche sind auf solche Wasserstände nicht vorbereitet und um ungefähr 3 Uhr nachts brechen die ersten. An der Seite der Polder brechen die Deiche zuerst, da jene am wenigsten in Stand gehalten sind. Deichverstärkungen werden vor allem auf Seeseite durchgeführt, weil man denkt, dass die See dort den größten Schaden anrichten könnte. Es ist allerdings anders: Das Wasser strömt über die Deiche und höhlt sie gerade an der Landseite aus. Dadurch haben sie gegen die Kraft des Meeres keine Chance mehr und brechen. Die Deiche bei

Deichdurchbruch bei Schelphoek, Schouwen Duiveland.
Deichdurchbruch
Kortgene, Kruiningen und Oude Tonen brechen zu erst. Danach die bei Willemstad, Heijningen, Fijnaart, 's Gravendeel, Strijen und Numansdorp. Viele Deiche folgen und insgesamt brechen 89 Deiche durch. Auf einer Strecke von insgesamt 187 Kilometern brechen Deiche durch und werden beschädigt.
Es hätte allerdings noch viel schlimmer kommen können, wenn der maximale Wasserstand während der Springflut erreicht worden wäre und nicht erst drei Stunden später, so wie es der Fall war. Das Wasser stand in den Flüssen relativ niedrig, die Flut war nicht auf ihrem Höchststand und doch hielten die Deiche nicht.