Mutter steckte im Schutt fest

"Am 31. Januar 1953 wohnte ich in Duivenhoek wo dann acht der zehn Opfer in Zeeuwsch-Vlaanderen umkamen. Ich war drei Jahre alt und hatte zwei Brüder und eine Schwester. In dieser Nacht versuchte mein Vater zusammen mit anderen den Binnendeich, der kurz hinter unserem Haus lag abzudichten.

Als sie gewarnt wurden, dass das Wasser bereits über den Deich strömte sind sie wieder nach Hause gekommen. Mein Vater hat mich auf den Arm genommen und zu einem höher gelegenen Haus gebracht. Inzwischen hat meine Mutter die Kinder angezogen und wartete auf meinen Vater, der sie abholen kam. Aber der Deich brach fast neben unserem Haus durch und riss sie alle mit sich. Mein jüngster Bruder wurde vom Schutt vergraben. Er war am 30. Januar sieben Jahre alt geworden. Mein ältester Bruder schaffte es auf einen Baum und konnte später gerettet werden. Meine Schwester konnte sich etwas weiter entfernt bei Nachbarn an einer Mauer festhalten. Aber das Wasser stieg. Sie war acht Jahre alt. Meine Mutter landete in einem Graben ganz in der Nähe meines ältesten Bruders, blieb im Schutt stecken und kam nicht mehr weg. Später stellte sich heraus, dass sie an Unterkühlung gestorben war.

Die Nachbarsfrau war eine angeheiratete Tante von uns und ist ebenfalls ertrunken. Außerdem ist eine Familie von vier Personen, wovon die Eltern am 31. Januar ihren 40. Hochzeitstag feierten auch ertrunken. Ich selbst hab immer noch ein paar Bilder vor Augen von dieser Nacht. Was das in mir ausgelöst hat ist für den Rest meines Lebens entscheidend gewesen."
Ria Daalman, Zwolle
©PZC 24-01-03