Wassermanagement des 21. Jahrhunderts

Raum für Wasser – Während der letzten Jahre haben Menschen verstanden, dass es keinen Sinn macht um allein nur die Deiche zu erhöhen. Um alle Deiche zu verstärken bedarf es enormer Investitionen und dabei müssen eventuell Häuser in der direkten Umgebung des Deichs weichen. Falls der Meeresspiegel um einen Meter ansteigt, ist das Erhöhen der Deiche keine Option. Für das Überleben der Infrastruktur des niederländischen Wassermanagements wird es notwendig sein, um in den nächsten Jahrhunderten sich zu verändern. Der Staat hat dabei eine neue Politik eingeläutet, bei der es zur Priorität erklärt wurde, um mehr Raum für die Flüsse zu kreieren. Wenn wir jetzt keinen extra Raum für das Wasser zulassen, wird es letztendlich unsere existierenden Strukturen überfluten, und so irreparable Schäden an Gütern und Leben verursachen. Eines der Maßnahmen ist es um Gebiete zu bestimmen, die im Falle eines Notfalls als Flutgebiete zu Verfügung stehen. Diese Maßnahme kann dicht besiedelte Gebiete, durch das Überfluten von weniger dicht besiedelten Gebieten schützen. Allerdings findet diese Strategie keinen großen Anklang bei den Menschen, die in den potentiellen Überflutungsgebieten leben, da es bei einer Überflutung bedeuten würde, dass sie ihre Häuser verlassen und ihre Gemeinden neu aufbauen müssten. Darüber hinaus werden Überflutungsgebiete und an Flüsse angrenzende Gebiete in zunehmendem Maße an den Fluss zurückgegeben. Dies soll in Zukunft den Druck während Unwetterextremen auf die Deiche und anderen Wasserwerken verringern. Verständlicherweise ist es nicht eingängig für viele Menschen, um Land an das Meer oder die Flüsse zurückzugeben, das seit Jahrhunderten durch Menschen bewohnt worden ist. Was am meisten zählt, ist und bleibt aber die Sicherheit aller Niederländer. Polder werden nicht ohne Grund geflutet werden. Nur durch das Akzeptieren der Tatsache, dass Wasser seinen Raum braucht, kann sichergestellt werden, dass die Niederlande auch in der Zukunft sicher und bewohnbar bleibt.

Küstenschutz Erhöhtes Risiko, Größere Konsequenzen: Es wird erwartet, dass der Meeresspiegel zum Ende des 21. Jahrhunderts, um 20cm angestiegen sein wird. Dies bedeutet, dass das Wasser der Nordsee an den Deichen und Dünen 20cm höher sein wird. Andere Vorhersagen zeigen, dass innerhalb 100 Jahre der Meeresspiegel sogar um einen Meter ansteigen wird! Unabhängig davon ob es nun 20cm oder 100cm sind, wird der Druck auf die niederländische Küste bedeutend zunehmen. Im nächsten Jahrhundert muss viel unternommen werden, um die Niederlande sicher und trocken zu halten. Außer den Veränderungen außerhalb der Deiche, haben sich seit der Flutkatastrophe 1953 viele Veränderungen auch innerhalb der niederländischen Polderlandschaft vollzogen. Sowohl die Bevölkerung als auch der Wohlstand haben sich in großem Maße erhöht. Eine Flutkatastrophe wie die des Jahres 1953 hätte heutzutage noch viel schwerwiegendere Folgen gehabt, als vor Fünfzig Jahren: mehr Menschenleben wären verloren gewesen, sowie der finanzielle und ökonomische Schaden wären viel größer gewesen. Dies bedeutet, dass Deiche nicht ausschließlich aufgrund des höheren Überflutungsrisikos wichtig sind, sondern auch weil der zu erwartende Schaden um ein Vielfaches größer wäre. Heutzutage sind wir einem noch größeren Risiko ausgesetzt mit noch schwerwiegenderen Folgen.

Sicherheit – Der niederländische Staat hat Empfehlungen zur Küstenverteidigung herausgegeben, um die Strategie der Küstenverteidigung zu verdeutlichen. Im Jahre 2000 hat das Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft (Ministerie voor Verkeer en Waterstaat) den Dritten Sicherheitsbericht der Küsten veröffentlicht mit dem Titel: „Tradition, Trends und Zukunft.“ Das Hauptaugenmerk des Artikels richtet sich auf das Gleichgewicht der öffentlichen Sicherheit und der Verfügbarkeit von Land. Küstengebiete haben eine Schutzfunktion, aber bieten gleichzeitig auch andere Funktionen. Seit Jahrhunderten, sind Dünen ein beliebter Platz zum Wohnen. Zudem werden die Dünen zur Erholung genutzt und viele Pflanzen und Tiere haben sich an diesen natürlichen Lebensraum angepasst. Eine Bewegung in Richtung einer größeren Sicherheit, bedeutet gleichzeitig, weniger Raum für andere wichtige Funktionen der niederländischen Küstenlandschaft. Der Schlüssel zum nachhaltigen Wassermanagement ist es, all diese unterschiedlichen Aspekte in einen gemeinsamen Managementplan unterzubringen und zu berücksichtigen.

Bekämpfen der Küstenerosion – Das Abladen von Sand wurde eingesetzt, um die Küstenerosion entgegen zu treten. Durch das Entladen von großen Mengen von Sand auf dem Strand und unterhalb des Meeresspiegels vor dem Strand, können die Dünen vor der Erosion geschützt werden. Obwohl die Küstengebiete heutzutage sicher sind, bedarf es an Eingriffen, um sicher zu gehen, dass die Niederlande auch in Zukunft sicher sind. Längerfristig werden höhere und breitere Deiche benötigt werden. Steigende Meeresspiegel, werden letztendlich die Struktur der Deltawerke untergraben. Breitere Deiche  bedeuten gleichzeitig mehr Raum für den Überflutungsschutz. Einer der zentralen Fragen ist es, ob der benötigte Raum landeinwärts oder in die Richtung des Meeres kreiert werden soll. Sandaufschüttungen sind z.B. eine Richtung Meer gerichtete Aktivität. Allerdings kann es beim Verbreiten der Deiche nicht vermieden werden, um auch ins Landesinnere weiter vorzustoßen. Um den zukünftigen steigenden Meeresspiegeln zu begegnen, müssen manche Gebiete als Küstenschutz aufgegeben werden. In der Provinz Seeland, wird dies die südwestliche Küste sein in der Nähe von Walcheren und dem Westen Seelands in Flandern. Meistens gibt es in den Dünen genug Spielraum zur Küstenverteidigung, auch wenn dies nicht für die Urlaubsressorts am Meer gilt. Ein Risikoprofil kann daher für jedes Dorf und jede Stadt erstellt werden. Rundum vieler Gebiete kann eine rote Linie gezogen werden, außerhalb derer, der Bau weiterer Häuser und Infrastruktur verboten ist. Durch das Gleichgewicht von (1) Küstenschutz, (2) Umweltplanung und (3) Natur und Landschaft, wird es möglich sein, die niederländische Küste sicher zu gestalten.

Die Nationale Wasserübereinkunft – Am 2. Juli 2003, hat die Regierung der Niederlande, die Gremien der Landkreise, die lokalen Autoritäten und Rijkswaterstaat (die zu vergleichen ist mit einem Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft) die Nationale Wasserübereinkunft unterzeichnet. Eine neue Form des Wassermanagements wird benötigt, seitdem meteorologische Veränderungen wie extreme Dürreperioden und Niederschlägen vorausgesagt werden. Eine neue Politik muss daher entwickelt werden, weil die Schwankungen in der Abflussmenge der Flüsse und den ansteigenden Meeresspiegeln dies nötig machen. Diese Politik folgt den Zielen des nachhaltigen Wassermanagements. Im Gegensatz zu der Vergangenheit, ist es nicht länger akzeptabel, übermäßig viel Wasser ins Meer zu pumpen, sondern es an Ort und Stelle zu behalten, die es natürlicherweise erreicht (z.B. durch Niederschläge). Wenn der Erhalt vor Ort keine Option ist, könnte das Wasser an dafür vorgesehen Orte umgeleitet werden. Wenn die Wasserpegel der Flüsse zu hoch geraten, werden Deiche manchmal absichtlich geöffnet, damit das Wasser in vorbestimmte Polder abfließen kann. Aus diesem Wasservorrat kann in den Sommermonaten, das Wasser neu verteilt werden.

Eine Anzahl von Projekten in 2003 waren z.B.: das Woolde in der Nähe von Hengelo, Regenwassertrennung in Nimwegen, der Ostpolder in der Nähe von Anna Paulowna, der Lappenvoort, Glimmermade und die Oosterland Polder, sowie das Naturgebiet Groote Brekken bei Lemmer. Diese Projekte sind an vorderster Front des niederländischen Wassermanagements im 21. Jahrhundert. In den nächsten Jahren werden 250 andere Projekte hinzukommen, um für das Speichern des Wassers noch mehr Platz zu ermöglichen.

Die Niederländer leben mit dem Wasser – Die Bedrohung, die die Niederländer gegenüber stehen, werden so ernst genommen, dass selbst eine Informationskampagne mit den möglichen Folgen gestartet wurde. Am 15. August 2003 wurde eine Kampagne, mit dem Slogan „Nederland leeft met Water“ gestartet, was übersetzt werden kann als „Die Niederländer leben mit dem Wasser“. Die Beziehung zwischen den Niederländern und ihrem Wasser wird in der öffentlichen Diskussion unterstrichen. Viel Aufmerksamkeit wird der Frage gewidmet, inwiefern die Niederländer in Zukunft mit dem Wasser umgehen werden, was in Werbung, Radio und Fernsehen, Reklametafeln und im Internet zur Sprache kommt. Der Wettermann Peter Timoeff spielt eine wichtige Rolle in dieser Kampagne und erklärt warum manche Maßnahmen unabwendbar sind. Es ist erstaunlich, dass es solch einer Kampagne bedarf. Die Deiche scheinen stark genug zu sein und nur wenige Menschen realisieren sich, was passieren würde wenn das System des Wassermanagements versagen würde (wie z.B. durch Kriege, Extremwetter, oder ähnliches).

Internationalisierung des Wassermanagements – Wassermanagement ist zunehmend auf der Flussebene organisiert und dafür müssen Wassergremien mit ihren Kollegen aus verschiedenen Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Belgien zusammenarbeiten. Was auch immer am Fluss landeinwärts geschieht ist enorm wichtig für die Niederlande. Wenn z.B., große Auffangbecken in Deutschland angelegt werden, wird sich das Überflutungsrisiko in den Niederlanden sofort erheblich verringern. Wassermanagement ist in den Niederlanden quasi eine Handelsmarke geworden. Weltweit sind niederländische Wasserspezialisten bei technischen und sozialen Fragen des Wassermanagements mit einbezogen.